COSIMA FILMTHEATER
12159 Berlin
U- und S-Bahn Bundesplatz
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Sonntag, den 12.07.2026:
11:00 Cosima:
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Berlin-Film-Katalog präsentiert nochmals
Geschichten jener Nacht (1966/67)
... nur am Montag, 17. August um 17.30 Uhr im Cosima-Filmtheater!
Montag 17.08.
DDR 1966/1967 – 109 Min. – Schwarzweiß
1. Geschichte: Phönix
R+B: Karl-Heinz Carpentier
K: Hans-Jürgen Sasse
M: Georg Katzer
D: Hans Hardt-Hardtloff, Peter Sindermann, Peter Reusse, Gerry Wolff, Raimund Schelcher
Foto Quelle: DEFA-Stiftung Roland Dressel
2. Geschichte: Die Prüfung
R: Ulrich Thein
B: Erik Neutsch, Ulrich Thein
K: Hartwig Strobel
M: Wolfgang Pietsch
D: Jenny Gröllmann, Dieter Mann, Horst Schulze, Inge Keller, Eberhard Esche
Foto Quelle: DEFA-Stiftung Ferdinand Teubner
3. Geschichte: Materna
R: Frank Vogel
B: Werner Bräunig, Frank Vogel
K: Claus Neumann
M: Günter Hauk
D: Ulrich Thein, Angelika Waller
Foto Quelle: DEFA-Stiftung Alexander Schittko
4. Geschichte: Der große und der kleine Willi
R: Gerhard Klein
B: Helmut Baierl
K: Peter Krause
M: Wilhelm Neef
D: Erwin Geschonneck, Jaecki Schwarz
Foto Quelle: DEFA-Stiftung Heinz Wenzel
In Folge des berüchtigten 11. Plenums des ZK der SED wurde 1965/66 eine Vielzahl von DEFA-Filmen – teils noch vor ihrer Fertigstellung – verboten. Eine Gelegenheit, sich bei den Betonköpfen in der Staatspartei zu rehabilitieren, erhielt der staatliche Filmbetrieb 1966 mit „Geschichten jener Nacht“: Der „Episodenfilm zum VII. Parteitag“ (so der Arbeitstitel) rechtfertigte und feierte den Mauerbau noch einmal so, wie es einige DEFA-Produktionen bereits kurz nach der Grenzschließung getan hatten.
Mit Frank Vogel und Gerhard Klein erhielten dabei zwei Filmemacher die Möglichkeit zur „Bewährung“, deren jüngste Arbeiten gerade verboten worden waren („Denk bloß nicht, ich heule“ und „Berlin um die Ecke“), die allerdings auch schon ganze Mauerbaurechtfertigungsfilme geschaffen hatten („... und deine Liebe auch“ und „Sonntagsfahrer“).
Die vier „Geschichten jener Nacht“, nämlich der Nacht des Mauerbaus, sind nur durch diesen Handlungszeitpunkt 13. August 1961 und die agitatorische Absicht miteinander verbunden. Noch einmal wird in ihnen das gesamte diesbezügliche Arsenal der DDR-Propaganda aufgefahren: Durch die „Grenzsicherungsmaßnahmen“ wurde der Dritte Weltkrieg verhindert, Schmutz und Schund und andere böse westliche Einflüsse wurden ausgesperrt, der Abwerbung hochqualifizierter, aber ideologisch labiler Fachkräfte, die sich vom auf Pump finanzierten falschen Schein des Westens blenden ließen, ein Riegel vorgeschoben, Grenzgänger waren aber eigentlich vor allem Prostituierte und Rowdies, beim Aufstand vom 17. Juni 1953 handelte es sich um eine Veranstaltung des RIAS usw. usf. Außerdem begründen drei der vier Geschichten in bekannter Manier die Politik der SED und deren Staat aus
den Schrecken des Nationalsozialismus, der Verweis auf selbige soll jedes aktuelle Handeln rechtfertigen.
Gleich in der ersten Episode „Phönix“ erinnert sich ein alter Kommandeur der „Kampfgruppen“ (die ja beim Mauerbau eine wichtige Rolle spielten) daran, wie er Anfang 1933 Menschen zur Flucht über die Grenze verhalf. In „Die Prüfung“ verlassen die wohlsituierten Eltern eines Mädchens, das kurz vor dem Abitur steht, die DDR. Die Tochter soll folgen, fühlt sich aber dem Staat ebenso verbunden wie ihrem ideologisch gefestigten Liebsten (Sohn eines NS-Opfers). „Materna“ erzählt die (Rückver-) Wandlung eines Kriegsheimkehrers vom Pazifisten zum begeisterten Waffenträger hauptsächlich durch einen aus dem Off gesprochenen Monolog. Mit „Der große und der kleine Willi“ wird schließlich versucht, die „Errichtung des antifaschistischen Schutzwalls“ auch ganz lustig darzustellen – wobei wiederum eine „weltanschauliche“ Bekehrung vorgeführt wird.
Unter den Drehbuchautoren finden sich mit Erik Neutsch („Spur der Steine“) und Werner Bräunig („Rummelplatz“) zwei Schriftsteller, die von den Reformgegnern in der SED mehr oder weniger stark attackiert wurden. Vor der Kamera kamen zahlreiche prominente Schauspieler zum Einsatz, darunter auch Hauptdarsteller aus frisch verbotenen Filmen wie Angelika Waller („Das Kaninchen bin ich“), Dieter Mann („Berlin um die Ecke“) oder Peter Reusse („Denk bloß nicht, ich heule“). Ulrich Thein,
hier sowohl als Regisseur und Co-Drehbuchautor („Die Prüfung“) als auch als Hauptdarsteller („Materna“) vertreten, hatte gerade erleben müssen, wie sein Fernsehmehrteiler „Columbus 64“ von der Zensur stark gefleddert worden war.
Rückblickend erwies sich die Themenwahl dieser Ergebenheitsadresse an die Staatspartei als sehr treffend, hielt doch – neben den sowjetischen Panzern – nur die Mauer die SED an der Macht. Als im Herbst 1989 von den Bürgern die Öffnung der Grenze erzwungen wurde (und die Sowjets nicht eingriffen), überlebte dies die DDR bekanntlich nur um wenige Monate.
Wir erinnern mit „Geschichten jener Nacht“ an den 65. Jahrestag des Mauerbaus.
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© Cosima Filmtheater Berlin. All rights reserved. | Programming & Design: Uli Schmidt
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