Berlin-Film-Katalog präsentiert

Wunschkonzert (1940)

... nur am Montag, 3. August um 17.30 Uhr im Cosima-Filmtheater!

Montag 03.08.



D 1940 – 101 Min. – Schwarzweiß
R: Eduard von Borsody
B: Felix Lützkendorf, Eduard von Borsody
K: Franz Weihmayr, Günther Anders, Carl Drews
M: Werner Bochmann – D: Ilse Werner, Carl Raddatz, Joachim Brennecke, Heinz Goedecke, Ida Wüst, Hedwig Bleibtreu, Hans Hermann Schaufuß, Hans Adalbert Schlettow, Malte Jaeger, Walter Ladengast, Albert Florath
Foto Quelle: Murnau Stiftung

Vor neunzig Jahren, vom 1. bis 16. August 1936, fanden in Berlin die Olympischen Sommerspiele statt – bis heute eines der eindrucksvollsten und erschreckendsten Beispiele für die Funktionalisierung des Leistungssports zu politischen Zwecken.
An den damaligen Propagandaerfolg des Regimes sollte im nationalsozialistischen Deutschland auch noch vier Jahre später erinnert werden, als längst auch für die Naivsten und die entschlossensten Wirklichkeitsverweigerer unübersehbar geworden war, daß es sich bei der während des Spektakels vorgespielten Friedfertigkeit des „Dritten Reichs“ um einen Schwindel gehandelt hatte: Der 1940 entstandene Spielfilm „Wunschkonzert“ beginnt 1936 am Berliner Olympiastadion, wo sich eine junge
Frau auf Berlin-Besuch (Ilse Werner) und ein schneidiger Luftwaffenoffizier (Carl Raddatz) begegnen und schnell näherkommen. Doch dann wird er zu einem geheimen Einsatz im Spanischen Bürgerkrieg abkommandiert, und die beiden verlieren sich aus den Augen. Durch das vom „Großdeutschen Rundfunk“ ausgestrahlte „Wunschkonzert für die Wehrmacht“ finden sie wieder zueinander, aber leider muß er schon wieder am Überfall auf ein anderes Land teilnehmen. Und dann gibt es noch einen Jugendfreund der jungen Frau, der um diese wirbt und, wie das Drehbuch so spielt, der Kompanie des Fliegeroffiziers zugeteilt ist.
In „Wunschkonzert“ wird die titelgebende Rundfunksendung (die dem Vernehmen nach sehr populär war) ebenso wie die Olympischen Spiele von 1936 als großes Kollektiverlebnis vorgeführt, welches zur Realisierung der NS-Phantasie von der „Volksgemeinschaft“ beiträgt, hier quasi in noch verschärfter Form durch die propagierte Verbindung zwischen Front und Heimat. Dabei wird die „Härte der Zeit“ nicht verschwiegen, doch gezeigt, wie mit Optimismus, Tatkraft und „herzhaftem“ Humor die Probleme gemeistert werden. Frauen ersetzen ihren Mann in dessen Beruf, und auch mitten im Kriegsgetümmel demonstriert der „Herrenmensch“ immer noch seinen Sinn für Kultur, insbesondere für klassische Musik.
Derweil die von dem Film verbreitete Propaganda heute stellenweise recht plump und penetrant wirkt, traf der Ende 1940 uraufgeführte Streifen seinerzeit offenkundig einen Nerv: Er avancierte im „Großdeutschen Reich“ zu einer der kommerziell erfolgreichsten Produktionen nicht nur der Saison 1940/41.
Ilse Werner, die bei den Dreharbeiten knapp neunzehn Jahre alt war, brachte vor allem dieser Film nach dem Krieg ein mehrjähriges Berufsverbot und letztlich einen nachhaltigen Karriereknick ein, derweil ihr Filmpartner Carl Raddatz – der im Gegensatz zu ihr noch in einigen anderen Propagandafilmen mitgewirkt hatte – seine Laufbahn ebenso bruchlos wie erfolgreich fortsetzen konnte.
Nach Kriegsende zunächst selbstverständlich verboten, wurde „Wunschkonzert“ später in einer „entschärften“ Fassung wieder freigegeben. Inzwischen in der Film in seiner ursprünglichen Form verfügbar und darf ohne jede Beschränkung Erwachsenen vorgeführt werden. Wir zeigen ihn selbstverständlich mit einer Einführung.