COSIMA FILMTHEATER
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Berlin Film Katalog präsentiert
Bürgschaft für ein Jahr (DDR 1981)
... nur am Montag, 7. September um 17.30 Uhr im Cosima-Filmtheater!
Montag 07.09.
DDR 1981 – 93 Min. – Farbe
R: Herrmann Zschoche
B: Gabriele Kotte, Herrmann Zschoche – K: Günther Jaeuthe – M: Günther Fischer – D: Katrin Sass, Monika Lennartz, Jaecki Schwarz, Jan Spitzer, Christian Steyer, Heide Kipp, Barbara Dittus, Ursula Werner, Angelika Mann, Uwe Kockisch, Peter Bause
Foto Quellen: DEFA-Stiftung/Waltraut Pathenheimer
Nina Kern kommt aus dem, was gern „schwierige Verhältnisse“ genannt wird, und die junge Ost-Berlinerin hat diese auch reproduziert: Früh hat sie einen freischaffenden, wenig erfolg-reichen Künstler geheiratet, der wie sie dem Alkohol zuspricht und den sie mit einem zweiten Kind zu halten versuchte – als sie dann das dritte Mal von ihm schwanger wurde, verließ er sie. Inzwischen sind die beiden geschieden, und so wenig er sich um die Kinder kümmert, zahlt er Unterhalt – den Nina wiederum aus Trotz und Stolz nicht einfordert, obwohl sie in recht prekären Verhältnissen lebt. Überhaupt zeigt sie sich immer wieder unfähig, den Alltag für sich und ihren vorpubertären Nachwuchs zu organisieren; sie besitzt eine äußerst geringe Impulskontrolle oder überhaupt irgendwelche Disziplin, neigt folglich zu spontanen, unbedachten Entscheidungen. Und wenn ihr bei ihrem Drang „etwas vom Leben zu haben“, gerade
ihre Kinder im Wege stehen, vernachlässigt sie diese auch.
Folglich wurden der Junge und die beiden Mädchen von der Fürsorge in verschiedenen Heimen untergebracht. Nun soll der zuständige Jugendhilfeausschuß entscheiden, ob Nina das Sorge-recht dauerhaft verliert. Schließlich gibt man ihr, die erklärt, ohne ihre Kinder nicht leben zu können, eine letzte Chance: Sie erhält probeweise die Jüngste zurück und zwei ehrenamtliche Mitglieder des Ausschusses – ein Bauleiter und eine Musiklehrerin – fungieren im Rahmen einer Bürgschaft für ein Jahr als ihre Ansprechpartner und Unterstützer. Während die partner- und kinderlose Lehrerin sich sehr engagiert, wird dem Mann, der Frau und Kinder hat, die Aufgabe bald zu viel, zumal Nina immer wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurückfällt dadurch und auch einen äußerst geduldigen, grundsoliden Lebenspartner vertreibt, als ein anderer Mann auftaucht, der in ihr mehr Leidenschaft entfesselt.
Der 1934 geborene DEFA-Regisseur Herrmann Zschoche, der vor allem mit Filmen über junge Leute reüssiert hatte („Liebe mit 16“, „Sieben Sommersprossen“, „… und nächstes Jahr am Balaton“), inszenierte den Film 1981 nach einem Szenarium von Gabriele Kotte, das dem Vorspann zufolge „frei nach Motiven“ aus dem gleichnamigen Roman von Tine Schulze-Gerlach gestaltet ist (Dramaturgie: Tamara Trampe).
Bei der Darstellung von Ninas ebenso lebensuntüchtigem wie verantwortungslosem Verhalten hält der Streifen geschickt die Waage: Dieses wird beschrieben, aber nur ansatzweise erklärt und schon gar nicht entschuldigt – die junge Frau erscheint nicht als armes Opfer der Gesellschaft oder irgendwelcher anderer „Verhältnisse“, aber auch nicht als selbstsüchtige Rabenmutter, die nur ihrem Hedonismus frönt.
Unvoreingenommen betrachtet, spricht aus dem Film Ratlosigkeit: Vermutlich wird Nina selbst mit viel Mühe nur schwer zu „erziehen“ und zu „bessern“ sein, womöglich kann man sie nur mit erheblichem Betreuungsaufwand wenigstens davon abhalten, ihre Kinder noch weiter zu schädigen – so man sie ihr nicht doch wegnimmt. Das Ende des Films ist dementsprechend mehr oder weniger offen. Und damit auch die Frage, wie die sozialistische Gesellschaft à la DDR mit solchen Menschen umgehen soll.
Zu der Wirkung des Alltagsdramas trug entscheidend die zur Drehzeit 24jährige Katrin Sass bei, die die schwierige Figur der Nina in einer schauspielerischen Glanzleistung genau der Intention des Films entsprechend verkörperte: Mehr als diese Person zu lieben oder zu verachten, kann man verzweifeln an ihr, die für ihr destruktives Verhalten womöglich selbst nichts kann.
Nach seiner Uraufführung im Herbst 1981 wurde der Film in Ost wie West viel beachtet, diskutiert und ausgezeichnet. Katrin Sass erhielt bei der Berlinale 1982 für ihre Leistung den Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin.
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© Cosima Filmtheater Berlin. All rights reserved. | Programming & Design: Uli Schmidt
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